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Die Geschichte der „Wahl der Saarsportler“ von Roman Bonnaire

Wie alles begann….

Ende der 80er Jahre gab es einen Wechsel im Vorstand des Vereins Saarländische Sportjournalisten. Werner Zimmer hatte den Verein über viele Jahre geführt, war vom Sportchef zum Hauptabteilungsleiter und später Programmdirektor geworden und nun wollte er das Amt in jüngere Hände legen. Mit Gabi Bohr, Thomas Wollscheid, Erich Philippi, Klaus Kalsch und Klaus Konstroffer kamen neue Köpfe in den Vorstand.

Ich übernahm den Vorsitz und wenn man etwas Neues beginnt, will man ja auch Akzente setzen.

Ich war schon immer ein Freund von Fernsehsendungen, bei denen die Besten ausgezeichnet werden, ob im Film, der Musik oder eben auch im Sport.

Die Wahl zum „Sportler des Jahres“ hatte mich immer fasziniert und so entstand der Gedanke, warum eine solche Wahl nicht auch im „Kleinen“, aus dem ja bekanntermaßen Großes entstehen kann. Die Kollegen zogen mit und nun ging es an die Umsetzung. Viele Fragen waren zu klären:

Wann findet die Wahl statt, wie wird sie durchgeführt, wo kann die Veranstaltung stattfinden, wer moderiert sie, welche Preise gibt es und, vor allem, wie finanzieren wir das Ganze? Keiner von uns hatte Erfahrung mit einem solchen Event.

Eine der neueren Hallen zu diesem Zeitpunkt war die Sporthalle Ohlenbach in Wiebelskirchen. Die Stadt Neunkirchen spielte mit und so war diese Frage schnell geklärt. Die Live-Übertragung im SR Fernsehen war ein gutes Argument für Sponsoren, denn so konnten wir als VSS Bandenwerbung verkaufen, die für das Showprogramm wichtig war. Die Preise, die wir damals aufriefen waren lächerlich gering, später schalteten wir Vermarkter ein, die die Banden zum drei- bis vierfachen Preis verkauften.

Aber wir waren halt Pioniere und mussten selbst lernen und andererseits bei Partnern Vertrauen aufbauen.

Den Wahlmodus zu finden, war ein schwieriger Weg. Unser Verein hatte damals rund 50 Mitglieder, von denen etwa die Hälfte beruflich wirklich im Sport arbeitete. Die Basis war uns zu gering und so entstanden im Lauf der Jahre viele Auswahlverfahren. Mit Postkarten , mit den Sparkassen als Partner, mit Coupons bis hin zum TED (Telefonabstimmung) und der Zusammenarbeit mit dem Gesamtvorstand des LSVS. Es galt auch hier, Erfahrungen zu sammeln, und weil im kleinen Saarland Fleiß belohnt wird, kam es anfangs auch schon mal zu überraschenden Ergebnissen.

Ein besonderer Moment war der Besuch beim Saarbrücker Künstler Hans Schröder. Ihn wollten wir beauftragen, eigene Statuen zu entwerfen, die wir den Sportlerinnen, Sportlern und Mannschaften überreichen wollten. Schröder war ein echter Künstler, unkonventionell, überraschend, aber immer kreativ. Ohne ein Fläschchen Champagner ging nichts und am Ende hatten Klaus Konstroffer und ich meist einen sitzen, aber Kunstwerke für die Ewigkeit in Händen. Hans Schröder lebt nun seit einigen Jahren nicht mehr, ich kann mir vorstellen, dass die Bronzefiguren im Lauf der Jahre an Wert gewinnen werden. Wir haben damals schon zusammen DM 3000,00 gezahlt. Das war es uns auch wert.

Da wir insgesamt aber nicht allzu viel Geld zur Verfügung hatten, mussten wir uns auch Programmpunkte einfallen lassen, die wenig bis nichts kosteten und so kam es, dass der Männergesangverein „Laetitia“ Reisbach, der Chor meines Geburtsortes, in dem mein Vater sang, den Auftakt der Sendung gestaltete. Auf die Melodie von „Ein Freund, ein guter Freund“ hatte ich einen neuen Text geschrieben:

„Schalt ein, schalt einfach ein
Am Sonntagabend in Dein drittes Programm.
Schalt ein, lass alles sein
Und schau in Ruh die Sport-Arena an….“

So begann der Text und so begann die allererste Sendung zur Wahl der „Saar Sportler des Jahres“.

Ich war ganz froh, dass Werner Zimmer die Moderation der ersten Sendung übernahm, seine Ruhe und Erfahrung mit solchen Veranstaltungen war schon viel Wert.

Die Halle war voll, die Resonanz war gut und so starteten wir in eine erfolgreiche Ära der Wahl zu den „Saar Sportlern des Jahres“.

Roman Bonnaire

Die saarländischen „Sportler des Jahres“ werden am 24. November in Saarlouis geehrt.

„Sportler des Jahres“ zu werden, ist auch im kleinsten Flächen-Bundesland nicht so einfach. Dabei reicht es nicht immer, Leistungen auf höchstem Niveau zu vollbringen, denn oft entscheiden auch andere Faktoren wie Beliebtheit und Ausstrahlung. Und es bleibt immer die gleiche Frage: Wie soll man die Leistung einer Weltmeisterin im Behindertensport mit der eines Fußball-Bundesligaprofis vergleichen? Auch der Modus der Abstimmung und damit die Erzielung eines „gerechten“ Ergebnisses sind nicht ganz einfach und führten im Laufe der Jahre immer wieder zu Modifizierungen.

So kam es in manchen Jahren zu einigen skurrilen Ergebnissen. 1998 zum Beispiel wurden Stimmkarten verteilt – über öffentliche Verteilstellen wie Institutionen, Firmen und Banken. Ein rühriges Vorstandsmitglied eines saarländischen Vereins klapperte alle Stellen ab, an denen Stimmkarten auslagen, ließ diese zu jeder Gelegenheit ausfüllen und schickte das Votum an die Veranstalter zur Auszählung zurück. Das Ergebnis war eindeutig: Die zwei Einzelsportler aus dem Verein gewannen die Einzelwertung, und dazu auch noch die Mannschaftswertung.

2005 kam man auf die Idee, einen Telefon-TED einzurichten und die Anrufer zu registrieren. Am Tag der Wahl hatte Borussia Neunkirchen ein Heimspiel und der Stadionsprecher wies mehrmals per Durchsage darauf hin, dass man sich als Zuschauer und Borussen-Fan an der Wahl beteiligen könne. Das führte dazu, dass Neunkirchen die Abstimmung zur „Mannschaft des Jahres“ gewann, obwohl andere Teams im abgelaufenen Jahr größere sportliche Leistungen vollbracht hatten.

Seit ungefähr zehn Jahren werden nun der saarländische Sportler, die Sportlerin und die Mannschaft des Jahres von Fachleuten gewählt. „Die Mitglieder des VSS und die Sport-Fachverbände wählen die Saarsportler des Jahres“, erläutert Dominique Rossi, der Geschäftsführer des VSS. Dadurch wurden Überraschungsergebnisse vermieden.

Jahrelang war die Sportler-Wahl am Totensonntag einer der herausragenden Termine im Saarsport, mit Live-Übertragung im SR-Fernsehen. Allerdings zog sich der Sender vor der letzten Verleihung aus finanziellen Gründen zurück, womit die Wahl auf der Kippe stand. Letztlich wurde sie dann 2018 in deutlich kleinerem Rahmen durchgeführt ­ die seit 1995 jährlich stattfindende Wahl wurde somit zunächst nicht unterbrochen. Viele Jahre lang wurde die Ehrung in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle durchgeführt, 2011 wechselte man in die Multifunktionshalle an der Hermann-Neuberger-Sportschule.

 

Die aktuellen Saarsportler heißen Lisa Klein (Radsport), Patrick Franziska (Tischtennis) und BC Saarbrücken-Bischmisheim (Badminton) ­ und diese drei Titelverteidiger stehen auch in diesem Jahr aufgrund ihrer sportlichen Erfolge wieder ganz vorne mit dabei in der Favoritenliste. Der Ehrenpreis, der 1997 eingeführt wurde und den zur Premiere Schiedsrichter Ferdinand Biwersi als Erster gewann, wurde nicht mehr verliehen.

Der VSS gibt auch in diesem Jahr dem Landesausschuss für Leistungssport im LSVS die Möglichkeiten, den Nachwuchssportler im Rahmen der Gala zu küren. In dieser Kategorie lohnt es sich immer genauer hinzusehen, denn so wurde schon früh erkannt, dass Athleten wie Waldemar Eichorn, Matthias de Zordo und Lars Albert vor herausragenden Sportler-Karrieren stehen ­ sie alle gewannen mal den Nachwuchspreis.

Je erfolgreicher und internationaler die Sportlerinnen und Sportler werden, desto schwieriger wird es für sie, an der Preisverleihung teilzunehmen. So ist der mit fünf Auszeichnungen erfolgreichste Saarsportler Jan Frodeno schon einmal extra zur Gala aus Australien angereist. Frodeno teilt sich den Titel als erfolgreichster „Saarsportler des Jahres“ mit Boris Henry ­ beide haben je vier Titel einstreichen können ­, wobei der Triathlon-Olympiasieger und Ironman seine Karriere ja noch nicht beendet hat. Bei den Frauen ragt Shanta Ghosh mit vier Titeln (1997, 2000, 2001 und 2003) heraus, doch Turnerin Pauline Schäfer, die ja noch aktiv ist, liegt mit drei Auszeichnungen nur knapp dahinter. Bei den Teams ist der Badminton-Bundesligist BC Saarbrücken-Bischmisheim mit fünf Titeln der Rekord-Titelträger.

Seit 1995 schon findet die Wahl regelmäßig am Totensonntag statt. Dieser Termin ist ideal, da alle Amateursportler an diesem Sonntag frei haben. Die Ehrung wird in diesem Jahr in Form einer festlichen Gala mit Rahmenprogramm im Theater am Ring in Saarlouis stattfinden. Im Eintrittspreis ist nach der Verleihung ein „Get together“ mit den geehrten Sportlern und anderen Prominenten in den Theaterräumen enthalten.

Die Wahl zum „Saarsportler des Jahres“ bildet den Saar-Sport in umfassender Weise ab, denn dazu gehört eben neben dem Spitzensport selbstverständlich auch der Breiten- und der Behindertensport. Das wurde nochmal im Jahr 2012 deutlich, als die Paralympics-Teilnehmerin Claudia Nicoleitzik den Titel bei den Frauen holte. 2004 gewann bei den Männern bereits Stefan Strobel den Titel als Handicap-Sportler.

25 Jahre "Saarsportler des Jahres"

Die bisherigen Titelträger

XXV

Sieger Männer: ?
Sieger Frauen: ?
Sieger Mannschaft: ?

XXIV

Sieger Männer: Patrick Franziska
Sieger Frauen: Lisa Klein
Sieger Mannschaft: BC Bischmisheim

XXIII

Sieger Männer: Timo Bernhard
Sieger Frauen: Pauline Schäfer
Sieger Mannschaft: TG Saar

XXII

Sieger Männer: Jonas Hector
Sieger Frauen: Dzsenifer Maroszsan
Sieger Mannschaft: BC Bischmisheim

XXI

Sieger Männer: Jan Frodeno
Sieger Frauen: Pauline Schäfer
Sieger Mannschaft: BC Bischmisheim

XX

Sieger Männer: Jan Frodeno
Sieger Frauen: Pauline Schäfer
Sieger Mannschaft: 1. FCS Tischtennis

XIX

Sieger Männer: Philipp Wollscheid
Sieger Frauen: Dzsenifer Maroszsan
Sieger Mannschaft: TG Saar

XVIII

Sieger Männer: Andreas Waschburger
Sieger Frauen: Claudia Nikoleitzik
Sieger Mannschaft: 1. FCS Tischtennis

XVII

Sieger Männer: Matthias de Zordo
Sieger Frauen: Susanne Hahn
Sieger Mannschaft: 1. FCS Tischtennis

XVI

Sieger Männer: Matthias de Zordo
Sieger Frauen: Anja Noske
Sieger Mannschaft: BC Bischmisheim

XV

Sieger Männer: Jan Frodeno
Sieger Frauen: Romy Bär
Sieger Mannschaft: Leichtgewichts-Vierer

XIV

Sieger Männer: Jan Frodeno
Sieger Frauen: Claudia Nicoleitzik
Sieger Mannschaft: TV Saarlouis "Royals"

XIII

Sieger Männer: Eugen Spiridonov
Sieger Frauen: Bianca Kappler
Sieger Mannschaft: KSV Köllerbach

XII

Sieger Männer: Benjamin Becker
Sieger Frauen: Xu Huaiwen
Sieger Mannschaft: BC Bischmisheim

XI

Sieger Männer: Konstantin Schneider
Sieger Frauen: Kristina Barrois
Sieger Mannschaft: Borussia Neunkirchen

X

Sieger Männer: Stefan Strobel
Sieger Frauen: Andrea Harder
Sieger Mannschaft: 1. FC Saarbrücken

IX

Sieger Männer: Konstantin Schneider
Sieger Frauen: Shanta Ghosh
Sieger Mannschaft: "Autres Choses"

VIII

Sieger Männer: Boris Obergföll (geb. Henry)
Sieger Frauen: Kathrin Hoppstädter
Sieger Mannschaft: DLRG Wadgassen

VII

Sieger Männer: Thorsten Laurent
Sieger Frauen: Shanta Ghosh
Sieger Mannschaft: "Autres Choses"

VI - Die ersten Saarsportler im neuen Jahrtausend

Sieger Männer: Alfred Ter-Mkrtchyan
Sieger Frauen: Shanta Ghosh
Sieger Mannschaft: KSV Köllerbach

V

Sieger Männer: Michael Jakosits
Sieger Frauen: Marietta Uhle
Sieger Mannschaft: "Autres Choses"

IV

Sieger Männer: Rainer Müller
Sieger Frauen: Tanja Schäfer
Sieger Mannschaft: LTF Marpingen

III

Sieger Männer: Boris Obergföll (geb. Henry)
Sieger Frauen: Shanta Ghosh
Sieger Mannschaft: TV Saarlouis "Royals"

II

Sieger Männer: Boris Obergföll (geb. Henry)
Sieger Frauen: Stefanie Hort
Sieger Mannschaft: TV Niederwürzbach

I - Wie alles begann

Sieger Männer: Boris Obergföll (geb. Henry)
Sieger Frauen: Marietta Uhle
Sieger Mannschaft: TV Niederwürzbach

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Sponsoren, die diese Veranstaltung erst möglich machen: